Webmeister Martin Projekt besprechen

Datenschutz

Brauchen Sie wirklich einen Cookie-Banner?

Der Banner ist zum Standardmöbel geworden. Dabei ist er kein Zeichen von Sorgfalt, sondern die Folge einer Entscheidung, die man auch anders treffen kann.

Von Martin Schülbe · Stand 21.09.2026

Fast jede deutsche Website begrüßt Besucher heute mit einer Abfrage, die sie wegklicken müssen, bevor sie etwas sehen. Die verbreitete Annahme lautet: Das ist Pflicht. Sie ist falsch.

Was das Gesetz tatsächlich sagt

Maßgeblich ist § 25 TDDDG — das ehemalige TTDSG, das Ende 2024 umbenannt wurde. Absatz 1 verlangt eine Einwilligung dafür, Informationen auf dem Endgerät des Nutzers zu speichern oder von dort abzurufen. Das betrifft Cookies, aber auch den lokalen Speicher des Browsers und ähnliche Verfahren.

Entscheidend ist Absatz 2. Danach entfällt die Einwilligung, wenn der Zugriff unbedingt erforderlich ist, damit ein vom Nutzer ausdrücklich gewünschter Dienst überhaupt funktioniert. Ein Warenkorb gehört dazu. Eine Anmeldung. Eine Spracheinstellung. Ein Schutz gegen automatisierte Formularangriffe.

Was nicht dazugehört: Analyse, Reichweitenmessung, Werbung, Personalisierung — auch dann nicht, wenn der Anbieter sich „datenschutzfreundlich“ nennt.

Die Frage ist also nicht „Banner ja oder nein“

Sondern: Was setzt meine Seite überhaupt? Und dann ergibt sich der Rest von selbst. Drei typische Fälle:

Eine Visitenkarten-Website mit Texten, Bildern, Kontaktformular und ohne Analysewerkzeug setzt meistens gar nichts — oder nur ein Sitzungs-Cookie für das Formular. Kein Banner nötig. Es gibt nichts, worin man einwilligen könnte.

Eine Website mit Analysewerkzeug braucht in aller Regel eine Einwilligung. Ob das den Erkenntnisgewinn wert ist, ist eine betriebswirtschaftliche Frage: Die Zugriffsstatistik des Hosters liefert Besucherzahlen ohne jede Einwilligung, weil sie aus den Server-Protokollen stammt und nichts auf dem Gerät ablegt.

Ein Shop setzt technisch notwendige Cookies für Warenkorb und Bezahlvorgang — die sind frei. Alles, was der Shop darüber hinaus an Empfehlungen, Werbung und Messung mitbringt, ist es nicht.

Der Banner, der selbst das Problem ist

Ein verbreiteter Fall in der Praxis: Das Einwilligungswerkzeug wird von einem fremden Server nachgeladen. Der Dienst, der die Einwilligung einholen soll, ist damit selbst eine Datenübertragung, die vor jeder Einwilligung stattfindet. Das ist kein theoretisches Problem, sondern der Normalfall bei den verbreiteten Anbietern.

Der zweite Fall: Der Banner ist da, aber die Skripte laufen trotzdem schon. Man sieht es daran, dass der Analyse-Cookie beim ersten Aufruf gesetzt wird, bevor irgendwer irgendwo geklickt hat. Dann ist der Banner nur Dekoration — mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass er dokumentiert, dass man das Problem kannte.

Nachsehen, was Ihre Seite beim ersten Aufruf setzt: Der Cookie-Checker zeigt, welche Cookies der Server mitschickt, bevor irgendetwas angeklickt wurde — also genau den Moment, auf den es ankommt. Er sieht nicht, was JavaScript später anlegt; das steht auch im Ergebnis.

Was der Verzicht wert ist

Ein Banner kostet Besucher. Jeder zusätzliche Klick vor dem eigentlichen Inhalt kostet Leute, die es eilig haben — und bei einer lokalen Dienstleistung haben es fast alle eilig. Eine Website ohne Banner ist schneller nutzbar, wirkt aufgeräumter und macht eine Aussage, die man sonst behaupten müsste.

Deshalb lohnt sich die Frage vor der Frage: Welche Dienste brauche ich wirklich? Wer sie ehrlich beantwortet, landet erstaunlich oft bei „keine“ — und spart sich damit nicht nur den Banner, sondern auch die Dokumentationspflichten dahinter.

Fragen dazu?

Ich beantworte sie auch dann, wenn daraus kein Auftrag wird. Das ist keine Masche, sondern die günstigste Werbung, die ich kenne.