Zum Hintergrund
Lesbarkeit: worum es dabei geht
Was hier genau geprüft wird
Der Text wird in Sätze und Wörter zerlegt und nach der Wiener Sachtextformel bewertet — einem Lesbarkeitsmaß, das eigens für deutsche Texte entwickelt wurde und in etwa der Schulstufe entspricht, die man zum flüssigen Lesen braucht. Dazu kommen die durchschnittliche Satzlänge, Ihr längster Satz, die Zahl der Sätze über 25 Wörter, der Anteil an Passivkonstruktionen und Wörter ab zwanzig Buchstaben.
Was ein Fund bedeutet
Zeitungen schreiben auf Stufe 8 bis 10. Wer auf 14 oder 16 landet, verlangt von seinen Besuchern Abiturlektüre — nicht weil der Inhalt schwer wäre, sondern weil die Sätze zu lang und die Wörter zu verschachtelt sind.
Der längste Satz ist meistens der lehrreichste Fund. Ein Satz mit 45 Wörtern ist fast immer drei Sätze, die jemand mit Kommas zusammengebunden hat. Und Passiv verschweigt, wer handelt: „Ihre Anfrage wird bearbeitet“ sagt nicht, von wem und wann. „Ich melde mich am selben Tag“ schon.
Lange Wörter sind eine deutsche Spezialität, und manche sind unvermeidbar. Aber „Dienstleistungserbringungsprozess“ ist keine Fachsprache, das ist Verwaltungsdeutsch.
Was Sie damit tun
Zielen Sie auf durchschnittlich 15 Wörter je Satz und machen Sie aus jedem Satz über 25 Wörtern zwei. Das ist die eine Maßnahme, die praktisch immer wirkt, und sie erfordert kein Sprachgefühl, nur einen Punkt statt eines Kommas.
Lesen Sie den Text danach laut vor. Wo Sie stolpern oder Luft holen müssen, stolpert auch Ihr Leser. Und wo ein Passiv steht, fragen Sie: Wer tut das eigentlich? Die Antwort ist meist der bessere Satzanfang.
Die Grenze dieser Prüfung
Lesbarkeitsformeln zählen Silben und Wortlängen, sie verstehen nichts. Ein grammatisch simpler Text, der inhaltlich Unsinn erzählt, bekommt einen guten Wert. Umgekehrt haben Fachtexte zu Recht Fachwörter — ein Steuerberater, der „Umsatzsteuervoranmeldung“ schreibt, macht nichts falsch. Nehmen Sie die Zahl als Anlass zum Nachlesen, nicht als Note.