Webmeister Martin Projekt besprechen

KI-Auffindbarkeit

Brauchen Sie eine llms.txt? Nach heutiger Datenlage: nein

Gerade verkauft halb Deutschland eine Textdatei als Pflichtübung für die KI-Suche. Die Wirkung ist bislang nicht belegt. Was stattdessen hilft, ist unspektakulärer.

Von Martin Schülbe · Stand 28.08.2026

Seit Suchanfragen zunehmend in ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Übersichten beantwortet werden, gibt es eine neue Abkürzung im Angebot: GEO (Generative Engine Optimization), teils auch AEO (Answer Engine Optimization) oder LLMO genannt. Gemeint ist im Kern dasselbe — dass Ihr Unternehmen in KI-generierten Antworten vorkommt.

Das Thema ist real. Der Verkaufsschlager dazu ist es nicht.

Was die llms.txt sein soll

Die Idee: eine Textdatei im Wurzelverzeichnis Ihrer Website, ähnlich der bekannten robots.txt, die Sprachmodellen in aufgeräumter Form mitteilt, worum es auf Ihrer Seite geht. Der Vorschlag stammt aus der Entwicklergemeinde und klingt vernünftig.

Das Problem: Kein großer Anbieter hat bislang bestätigt, diese Datei auszuwerten. Untersuchungen, die im Lauf des Jahres 2026 dazu veröffentlicht wurden, finden keinen messbaren Einfluss auf die Sichtbarkeit in KI-Antworten. Die Datei ist also — Stand heute — bestenfalls harmlos.

Mein Umgang damit: Ich lege die Datei an, wenn ein Kunde sie möchte. Sie kostet zehn Minuten und schadet nicht. Ich stelle keine Rechnung dafür und verspreche keine Wirkung. Wenn sich das ändert, weil ein Anbieter die Auswertung bestätigt, ist die Datei schon da.

Was tatsächlich beeinflusst, ob eine KI Sie nennt

Sprachmodelle beziehen ihre Antworten überwiegend aus zwei Quellen: aus dem, was sie beim Training gelesen haben, und aus dem, was ihre Suchfunktion im Moment der Frage findet. Beides führt zu denselben Anforderungen — und die sind erstaunlich altmodisch.

Erstens: Eindeutige Aussagen statt Werbesprache. Ein Modell kann „Wir sind Ihr kompetenter Partner für innovative Lösungen“ nicht zitieren, weil darin keine Information steckt. „Wir prüfen Wohnmobile mit Gasanlage nach G607, Termine mittwochs bis freitags“ ist zitierbar. Wenn Sie wollen, dass eine KI Sie empfiehlt, schreiben Sie Sätze, die eine Antwort sein können.

Zweitens: Fakten an einer Stelle, maschinenlesbar. Adresse, Öffnungszeiten, Leistungen und Preise gehören sowohl in den sichtbaren Text als auch in strukturierte Daten (schema.org). Das ist keine neue Technik — sie wird nur jetzt von mehr Systemen ausgelesen.

Drittens: Erwähnungen anderswo. Modelle gewichten, was mehrere unabhängige Quellen sagen. Ein Eintrag im Branchenverzeichnis, eine Erwähnung im Vereinsbericht, ein Beitrag in der Lokalzeitung — solche Spuren wirken stärker als jede Datei auf Ihrem eigenen Server. Was Sie über sich selbst schreiben, ist eine Quelle. Was andere über Sie schreiben, sind mehrere.

Viertens: technische Erreichbarkeit. Inhalte, die erst durch JavaScript entstehen, werden von manchen Crawlern gar nicht gesehen. Eine Seite, die ihren Text direkt im HTML ausliefert, ist für Maschinen vollständig lesbar — für Sprachmodelle ebenso wie für Suchmaschinen. Das ist einer der Gründe, warum diese Website ohne Framework gebaut ist.

Der unbequeme Teil

KI-Sichtbarkeit lässt sich derzeit schlecht messen. Dieselbe Frage liefert je nach Zeitpunkt, Nutzer und Modell unterschiedliche Antworten. Wer Ihnen eine feste Platzierung in ChatGPT-Antworten verkauft, verkauft etwas, das er nicht kontrollieren kann.

Was Sie verlangen können: dass Ihre Seite sauber ausgelesen werden kann, dass Ihre Fakten stimmen und maschinenlesbar hinterlegt sind, und dass Ihre Inhalte Fragen beantworten statt zu werben. Das wirkt in der klassischen Suche, in KI-Antworten und bei den Menschen, die am Ende anrufen. Drei Fliegen, eine Klappe — und keine davon heißt llms.txt.

Fragen dazu?

Ich beantworte sie auch dann, wenn daraus kein Auftrag wird. Das ist keine Masche, sondern die günstigste Werbung, die ich kenne.